Homage an Liane
von Angela Jung
Ich lernte Liane 1969 kennen, als wir beide an einem Sommerkurs für amerikanischen Deutschlehrer arbeiteten und merkte gleich, dass , wenn man Glück hat, zwei oder drei solchen Menschen im Laufe seines Lebens begegnet. Für mich war ihre Originalität, Spontaneität, Begeisterungsfähigkeit und ihr sicherer Geschmack eine Quelle nie versiegender Inspiration. Wer sonst konnte junge Menschen so lange in seinen Bann schlagen, dass sie darüber Hunger und Durst vergaßen und den Kunstführungen auch bis tief in die Nacht, dann eben mit Taschenlampe bewaffnet, folgten.
Von 1972 bis 2002 arbeiteten wir zusammen am Lewis und Clark Year of Study an der Universität München als Partnerinnen, die Studentinnen und Studenten bei einem wichtigen Jahr in ihrem Leben begleiten durften.
Schweigen will ich von ihren Fahrkünsten in ihrem VW, derentwegen auch die mutigsten Studenten nach einer einmaligen Probefahrt von weiteren Einladungen Abstand nahmen. Als dringend nötige Konzentrationshilfe beim Autofahren gab es ein selbstgemaltes Schild auf dem Armaturenbrett: "Jetzt fahre ich".
Schweigen will ich von ihren besonders temperamentvollen Hunden, wie z.B. Nike, die natürlich, wie ihre Herrin, sich auf den Ausflügen nicht auf irgendwelche räumliche Beschränkungen einlassen wollten und keinesfalls damit einverstanden waren, VOR dem Dom auf das Ende der Führung zu warten und lieber um den Hochaltar herum mit den Studenten Fangen spielten. Besagte Nike wurde wegen ihrer individuellen Note zu Recht in der New York Times erwähnt.
Schweigen will ich von dem auch für Liane unlösbaren Problem der Bilokation, d.h. an zwei Orten gleichzeitig zu sein. Unermüdlich wurden diesbezüglich tägliche Versuche unternommen.
Schweigen will ich von ihrem gebrochenen Verhältnis zur Zeit. Auch geschenkten Uhren in jedweder Ausführung wurde keinerlei Beachtung geschenkt. Wann also ist ein Seminar zu Ende? Dann, wenn die Studenten ihre Kontaktlinsen herausnehmen. Zu schade, dass die deutsche Bahn und die Fluggesellschaften sich selten darauf einliessen, den ICE länger halten zu lassen, oder die Gangway noch einmal hinzuschieben.
Wer einmal an einem Seminar teilgenommen hat, weiss, wie faszinierend auch Randthemen dargeboten wurden. Wie viele Amerikaner können schliesslich Reichsdeputationshauptschluss aussprechen und wissen auch, was es bedeutet?
Die Führungen durch die grossen Museen waren ein Erlebnis, nicht nur für die Studenten. Das enorme Wissen und die tolle Präsentation der Kunstwerke durch alle Jahrhunderte zog auch andere Museumbesucher in den Bann. Häufig beantworteten sie Lianes Fragen, BEVOR noch die Gruppe eine Gelegenheit hatte, dies zu tun. Bald war klar, dass es keine Führung gab, ohne den Alarm auszulösen, weil Liane zu nah an die Bilder gekommen war, es war eine Frage der Zeit, die Bestzeit war über fünf Minuten. Keiner, der ihr Seminar besucht hat, wird ihren Vortrag über Joseph Beuys vergessen, wie überhaupt die moderne Kunst ein Lieblingsthema war.
Das Seminar "Erlebte Landeskunde" wurde mit vielen Interviews angereichert, die die Studenten mit Münchnerinnen und Münchnern führten, so dass sie selbst die Opernhausdirektion und die Obdachlosenunterkünfte kennen lernen konnten. Ich erinnere mich an eine begeisterte Liane, die am ersten April einem Aprilscherz der Sueddeutschen Zeitung aufgesessen war: es wurden die Buerger von München aufgefordert, das Stadiondach zu putzen, da es vom Winter noch stark verschmutzt sei. Also gingen unsere Landeskundler mit Putzeimern bewaffnet hin, um mit Gelaechter und Freibier empfangen zu werden.
Eine Episode fand ich besonders bezeichnend für ihre Grosszügigkeit und Bereitschaft, sich mit kritischen Themen auseinanderzusetzen:
Durch die 70er Jahre hindurch bis in die 80er hinein berichtete Liane von einem gewissen Oskar Schindler und seiner Rolle im Dritten Reich, die sehr wohl zeigte, dass man auch während dieser Zeit kritisch und aktiv sein konnte. Eines Tages, so ihr Vorhaben, wollte sie ein Buch über diesen Mann schreiben, das Material hatte sie schon in einem umfangreichen Aktenordner gesammelt. Dass jemand anders ihr zuvor kam, kommentierte sie so: "Hauptsache irgend jemand hat es getan"
Urworte, orphisch
Wie an dem Tag, der dich der Welt verliehen,
Die Sonne stand zum Grüße der Planeten,
Bist alsobald und fort und fort gediehen
Nach dem Gesetz, wonach du angetreten.
So mußt du sein, dir kannst du nicht entfliehen,
So sagten schon Sibyllen, so Propheten;
Und keine Zeit und keine Macht zerstückelt
Geprägte Form, die lebend sich entwickelt. [0]
Das Wuttig-Lied
"We'll follow the Wuttig..." Nach der Melodie: "Don't sit under the apple tree"
We'll follow the Wuttig, wherever she wants to go
Wherever she wants to go, even to Rokoko!
We'll stay with the Wuttig, wherever she wants to stay
Even when she's looking at Delaunay
Because we love her, we love her
Especially when she keeps us on the ball
And we cannot help but answer to her call, "koo koo"
She's the grandest, youngest Wuttig of them all!!